Carve-Outs sind 2026 einer der aktivsten Transaktions-Typen im DACH-Healthcare-Markt. Konzerne trennen sich von Sub-Sektoren, die nicht mehr zur Portfolio-Strategie passen, und PE-Fonds kaufen, weil ein Carve-Out die Plattform-Akquisition ohne Bieter-Auktion ermöglicht.
Was technisch klingt, ist transaktional anspruchsvoll. Struktur, Steuern, das Diskretions-Setup, der Personalübergang und die IT-Trennung summieren sich auf sechs bis zwölf Monate Arbeit. Die Strukturen sind eng verwandt mit denen der Unternehmensnachfolge, aber transaktional anders gelagert.
Der Preis dieser Komplexität ist messbar. Carve-Outs werden 2026 mit einem Discount von 1x bis 2x Multiples gegenüber Whole-Company-Auktionen gehandelt. Genau dieser Abschlag ist für PE-Käufer der Reiz und für Verkäufer das Risiko, das es sauber zu steuern gilt.
Wer einen Carve-Out im Healthcare durchführt, als Verkäufer oder als Käufer, sollte die drei Strukturen, die sechs Stolpersteine und den steuerlichen Rahmen kennen, bevor das Mandat startet. Dieser Beitrag arbeitet alle drei Ebenen der Reihe nach durch.
Ein Carve-Out ist kein Verkaufsprozess, es ist ein Trennungsprozess mit angeschlossenem Verkauf. Wer das verwechselt, scheitert in der Integration.
Wann Carve-Outs Sinn ergeben
Carve-Outs werden 2026 von drei Treibern getragen. Erstens die Konzern-Strategie mit Fokussierung auf das Kern-Geschäft und Ausstieg aus Rand-Sektoren. Zweitens der PE-Druck im Portfolio, bei dem der Fonds-Lebenszyklus einen Teil-Exit erzwingt. Drittens der regulatorische Zwang aus Kartell-Auflagen und Compliance-Anforderungen.
Im Healthcare-Sektor wirken 2026 alle drei Treiber gleichzeitig. Konzerne trennen sich von Pflege-Sparten, die nicht mehr in die Health-Tech-Story passen, und PE-Plattformen verkaufen Sub-Cluster, um den Plattform-Fokus zu schärfen. Bain dokumentiert diese strukturelle Verschiebung von Whole-Company-Deals hin zu Carve-Outs im Global Healthcare Private Equity Report.
Für die Käuferseite ist die Logik klar. PE kauft Carve-Outs nicht trotz, sondern wegen der Komplexität, denn sie ist der Preisabschlag, mit dem sich die teuren Whole-Company-Auktionen umgehen lassen. Wie diese Käuferschaft im Detail tickt, vertieft die Seite zum Healthcare-Private-Equity.
Drei Wege aus dem Konzern heraus
Die Wahl der Struktur entscheidet über Steuern, Vorlauf und Übertragbarkeit. In der deutschen Praxis dominiert 2026 die Hive-Down-Variante.
Asset Deal
Einzel-Assets und Verträge gehen in eine NewCo über
- →Sinnvoll bei klar abgrenzbarer Geschäftseinheit
- →Wenig geteilte Infrastruktur
- →Stille Reserven aufdecken, AfA-Step-up möglich
Share Deal
Anteile einer rechtlich verselbstständigten Tochter werden verkauft
- →Sinnvoll bei bestehender Tochter mit klaren Verträgen
- →Personal und Verträge bereits zugeordnet
- →Teileinkünfteverfahren oder 95-%-Befreiung bei Kapitalgesellschaften
Hive-Down
Vorgelagerte Umstrukturierung, dann Verkauf der neuen Tochter
- →Sinnvoll bei vermischten, historisch gewachsenen Strukturen
- →Löst Vermischungs-Probleme zum Konzern-Stamm
- →Umwandlungssteuer und Sperrfristen nach §22 UmwStG beachten
Warum Hive-Down die Regel ist
In der Praxis ist die Hive-Down-Struktur die häufigste im deutschen Healthcare-Carve-Out 2026. Sie löst die Vermischungs-Probleme zwischen dem Carve-Out-Bereich und dem Konzern-Stamm, hat aber einen Vorlauf von vier bis sechs Monaten und kann Sperrfristen auslösen. Die Verkaufsprozess-Struktur muss diesen Vorlauf von Anfang an einplanen.
Steuerlich wird der Carve-Out in Deutschland typischerweise als Hive-Down mit anschließendem Share Deal aufgesetzt. Zwei Konstellationen sind zentral. Das Teileinkünfteverfahren für natürliche Personen als Verkäufer, bei dem 60 Prozent steuerpflichtig sind, und die 95-Prozent-Befreiung nach §8b KStG für Kapitalgesellschaften als Verkäufer.
Beide Wege sind deutlich günstiger als ein Asset Deal mit voller Aufdeckung der stillen Reserven, weshalb die Hive-Down-Share-Deal-Struktur dominiert. Die Umwandlungssteuer beim Hive-Down ist neutral, solange die Sperrfristen nach §22 UmwStG eingehalten werden. Frühere Verkäufe lösen rückwirkend eine Buchwert-Auflösung aus, ein Risiko, das im Verkaufsprozess offengelegt werden sollte. Die Methodik des Abschlags zeigt die Seite zu Multiples und Bewertung.
Sechs Punkte die Carve-Outs scheitern lassen
Jeder dieser sechs Punkte ist ein häufiger Grund für Termin-Slipper oder Closing-Risiken. Sie gehören früh in den Carve-Out-Plan.
Übergangs-IT
Carve-Out-Bereiche teilen meist die IT-Systeme des Konzerns. Eine saubere IT-Separation ist die größte Einzelaufgabe, realistisches TSA-Fenster sind 12 bis 24 Monate.
Personalübergang §613a BGB
Mitarbeitende gehen mit dem Betrieb über. Die Information nach §613a Abs. 5 BGB muss formal sauber sein, sonst entsteht ein einjähriges Widerspruchsrecht.
Geteilte Versorgungsverträge
Verträge nach §132a, §132d oder §37c sind oft auf Konzern-Ebene geschlossen. Die Übertragung auf die NewCo erfordert eine Trägerzustimmung.
Gemeinsame Lieferantenverträge
Rahmenverträge, IT-Lizenzen und Versicherungen werden konzernweit verhandelt. Die NewCo verliert die Volumen-Konditionen und muss neu verhandeln.
Steuerliche Sperrfristen
Hive-Down-Strukturen lösen siebenjährige Sperrfristen nach §22 UmwStG aus. Ein zu früher Weiterverkauf fällt auf eine Buchwert-Auflösung zurück.
Compliance-Übergaben
Heimaufsicht, MDK-Begutachtung, Datenschutz und Pflege-Qualitäts-Reporting müssen in der NewCo neu strukturiert werden, sonst drohen Auflagen-Bescheide.
Die Übergangs-Vereinbarung und ihr Preisschild
Carve-Outs ohne saubere Übergangs-Vereinbarung scheitern im operativen Betrieb. Ein Transitional Service Agreement regelt, welche Konzern-Services die NewCo nach dem Closing weiter bezieht, typischerweise IT, HR, Finance und teilweise Compliance. Drei Aspekte sind dabei kritisch.
Die Laufzeit liegt realistisch bei 12 bis 24 Monaten. Längere TSAs signalisieren Käufern, dass die NewCo strukturell nicht stand-alone-fähig ist, und erzeugen Multiple-Druck. Bei der Vergütung stehen konzern-interne Verrechnungspreise gegen das Markt-Niveau, Healthcare-PE-Käufer akzeptieren typischerweise Cost-plus 15 bis 20 Prozent für die TSA-Periode.
Der dritte Aspekt ist die Exit-Logik. Wann darf die NewCo die TSA terminieren und wer trägt die Migrations-Kosten? Klare Exit-Klauseln vermeiden die Falle, in der die NewCo dauerhaft an die Konzern-Services gebunden bleibt. Der Effekt verlorener Volumen-Konditionen gehört zudem über eine Stand-alone-P&L sauber in den Verkaufsprozess eingerechnet.
Vom Perimeter bis zur Migration
Strategische Entscheidung, Carve-Out-Perimeter definieren und die steuerliche Strukturierung skizzieren.
Stand-alone-P&L, Working-Capital-Bridge, IT-Separation-Plan und Personal-Mapping nach §613a BGB.
Hive-Down-Strukturierung, Versorgungsvertrags-Übertragungen anstoßen und Lieferanten-Verträge auf die NewCo migrieren.
Vendor-DD-Material, Information-Memorandum, TSA-Entwurf, danach Käufer-Ansprache, Bieterprozess und Closing.
Umsetzung der TSA, IT-Migration und die Compliance-Übergaben in der neuen Gesellschaft.
Im Carve-Out gewinnt der Trennungs-Architekt
Carve-Outs sind 2026 die strukturell wichtigste Transaktions-Klasse im DACH-Healthcare-Markt. Die Komplexität ist real, aber genau diese Komplexität ist der Werttreiber für PE-Käufer und der Risiko-Faktor für Verkäufer. PE bevorzugt Carve-Outs aus drei Gründen, dem niedrigeren Bieter-Wettbewerb, einer klaren Value-Creation-Story über die Stand-alone-Optimierung und der Plattform-Logik mit dem Carve-Out als Kern.
Wer die drei Strukturen, die sechs Stolpersteine und den steuerlichen Rahmen sauber durchgearbeitet hat, gewinnt ein Multiple-Premium von 1x bis 2x gegenüber einem unstrukturierten Trennungs-Verkauf. Wer aus Verkäufer-Sicht plant, startet mindestens neun Monate vor dem gewünschten Closing. Wer auf Käuferseite nach Targets sucht, braucht eine Plattform-Strategie und ein erfahrenes Operating-Team für die Stand-alone-Phase.
Michael Scheidel ist Geschäftsführer und Gesellschafter von MSI Partners. Mit 20 Jahren Erfahrung im deutschen Healthcare-M&A begleitet er Transaktionen im Pflege-Sektor und Healthcare-Investments für Family Offices, Strategen und Private-Equity-Partner. Für eine erste Einordnung Ihres Carve-Out-Vorhabens führt der Weg über den Carve-Out-Verkauf.
Im Carve-Out gewinnt nicht der bessere Preis-Verhandler, sondern der bessere Trennungs-Architekt.




