Tagespflege ist 2026 der am schnellsten wachsende Teilmarkt der ambulanten Pflege in Deutschland. Zwischen 2020 und 2024 ist die Zahl der Tagespflegeplätze etwa doppelt so schnell gewachsen wie die der stationären Pflege. EBITDA-Multiples liegen 2026 typischerweise zwischen 5x und 8x — ein Unternehmenswert-Quercheck mit DCF konkretisiert die Position innerhalb der Bandbreite — mit klar erkennbarem Premium für Verbund-Strukturen. Wer als Inhaber:in über einen Verkauf nachdenkt, trifft auf eine breite Käuferseite: Pflegeheim-Betreiber, PE-Plattform-Konsolidierer und Family Offices arbeiten parallel an Buy-and-Build-Strategien im Tagespflege-Segment.
Kurz erklärt: Tagespflege-Multiples liegen 2026 zwischen 5x und 8x EBITDA. Verbünde mit vier oder mehr Standorten realisieren ein Premium von 1x bis 1,5x gegenüber Einzelstandorten.
„Tagespflege ist der unterschätzte Konsolidierungs-Markt: planbar, demografisch getrieben, regional fragmentiert — drei Voraussetzungen, die Investoren lieben.“
Tagespflege-Markt 2026: Volumen, Wachstum, Anbieter-Struktur
Die teilstationäre Pflege nach §41 SGB XI ist regulatorisch klar definiert und wird seit 2017 mit dem Pflegestärkungsgesetz finanziell deutlich besser gestellt: Tagespflege wird zusätzlich zu ambulanten Sachleistungen abgerechnet, ohne Gegenrechnung. Diese strukturelle Aufwertung hat den Markt verändert — Tagespflege ist heute für Familien planbarer und für Anbieter wirtschaftlich tragfähig. Markt-Indikationen und Bain-Analysen zur europäischen Healthcare-PE-Aktivität ordnen den Konsolidierungs-Druck ein (Bain — Global Healthcare Private Equity Report).
Die Anbieter-Landschaft ist regional fragmentiert. Drei Profile dominieren: einzelstandortbasierte Inhaber-Anbieter mit 15 bis 30 Plätzen, regionale Verbünde mit drei bis acht Standorten, und seit etwa 2022 sichtbar: PE-gestützte Plattformen mit überregionalem Skalierungs-Anspruch. Genau diese dritte Gruppe kauft 2026 strukturiert Add-ons.
Drei strukturelle Werttreiber für Investoren
Regulatorische Planbarkeit: §41 SGB XI ist seit 2017 stabil. Pflegegrad-bezogene Vergütung mit Inflations-Anpassung ergibt einen verlässlichen Erlös-Korridor. Verglichen mit ambulanter Pflege sind Tagespflege-Erlöse weniger Tarif- und Personal-volatil.
Demografische Treiber: Die Zielgruppe — Pflegegrad 2 bis 4, häuslich versorgt, mit pflegenden Angehörigen — wächst strukturell. Investoren modellieren 2026 mit Wachstumsraten zwischen 4 und 6 Prozent jährlich für die nächsten zehn Jahre.
Cluster-Logik: Mehrere Tagespflege-Standorte in einer Region erzeugen messbare Skaleneffekte: gemeinsame Pflegedienstleitung, geteilte Fahrdienste, einheitliche IT, zentrales Recruiting. Verbünde von vier bis acht Standorten sind die operative Skalen-Schwelle, an der die Multiples nach oben kippen.
Bewertungs-Bandbreiten und EBITDA-Anpassungen
Tagespflege-Bewertungen liegen 2026 zwischen 5x und 8x EV/EBITDA für Einzelstandorte. Verbünde von vier bis sechs Standorten erreichen 6x bis 7,5x. Plattform-Strukturen mit acht und mehr Standorten sind in unseren Mandaten bei 7x bis 9x sichtbar — der Premium spiegelt die Replizierbarkeit und die Käufer-Wettbewerbslage wider.
Werttreiber / -drücker | Multiple-Effekt | Was Käufer prüfen |
|---|---|---|
Auslastung dauerhaft > 85 % | +0,5x bis +1,0x | Auslastungs-Historie 24 Monate, saisonale Volatilität |
Pflegegrad-Mix mit hohem PG-3- und PG-4-Anteil | +0,3x bis +0,8x | Erlös-Bridge je Pflegegrad, Mix-Stabilität |
Mehrstandort-Verbund | +0,5x bis +1,5x | Geteilte Backoffice-Logik, Cluster-Geografie |
Einzelstandort ohne Replikations-Pfad | -0,3x bis -0,8x | Skalen-Defizit, Personalabhängigkeit Inhaber:in |
Auslastung schwankend < 75 % | -0,5x bis -1,5x | Strukturelle Nachfrage-Lücke vs. Sales-Lücke |
Die fünf wichtigsten EBITDA-Anpassungen im Tagespflege-Verkauf: Geschäftsführergehalt-Adjustment auf Markt-Niveau, Pacht-Marktcheck (häufiger als gedacht zu niedrig angesetzt bei Inhaber-Immobilien), Sondereffekte (COVID, Personalprämien) heraus, Run-Rate-Bridge bei in den letzten zwölf Monaten neu eröffneten Standorten, und Working-Capital-Norm. In Summe bewegen diese fünf Anpassungen das transaktionsfähige EBITDA in unseren Mandaten regelmäßig um 15 bis 30 Prozent.
Einzelstandort versus Verbund: wo die Skalen-Schwelle liegt
Ab vier Standorten in einer Region kippt die Tagespflege wirtschaftlich in eine andere Klasse. Das hat drei Gründe: erstens lassen sich PDL-Vertretung und Fahrdienst standortübergreifend organisieren; zweitens wird Recruiting professioneller und gewinnt gegen kleine Einzelstandort-Wettbewerber; drittens hebt eine zentrale Vertragsverwaltung mit den Pflegekassen den administrativen Aufwand pro Standort um etwa ein Drittel.
„Vier Standorte sind die magische Schwelle: darunter ist Tagespflege ein Inhaber-Geschäft, darüber ist sie ein Plattform-Asset.“
Käufergruppen 2026: drei Profile mit unterschiedlicher Logik
Pflegeheim-Betreiber: Suchen Tagespflege als Versorgungs-Erweiterung am bestehenden Heimstandort oder als Quartiersangebot. Käufer-Logik ist kapazitätsfüllend, Multiple eher im Mittelfeld.
PE-Plattform-Konsolidierer: Bauen reine Tagespflege-Plattformen auf. Buy-and-Build mit klarer Tagespflege-Akquisitionen mit Plattform-Software, zentralem Pflege-Controlling und überregionalem Recruiting-Funnel. Zahlen für strukturierte Add-ons den Premium.
Family Offices und regionale Strategen: Investieren in Cluster-Tagespflege als Ergänzung zu Pflegeimmobilien-Portfolios. Halteperioden länger, weniger Multiple-Druck im Verkaufsprozess.
Mini-Case: was einen 4-Standort-Verbund bei 7,5x EBITDA möglich macht
In einem typischen Mandats-Profil 2024–2025 begleiten wir DACH-weit Tagespflege-Verbünde mit drei bis sechs Standorten. Was die Spitzenmultiples möglich macht, ist nicht die Größe allein, sondern eine konsistente Trias: dokumentierte Auslastung über 88 Prozent in den letzten 24 Monaten, ein Pflegegrad-Mix mit über 60 Prozent PG 3 und PG 4, und eine standortübergreifende PDL-Struktur, die nicht an einer Person hängt. Käufer kommen aus zwei Gruppen parallel — eine PE-Plattform mit Lower-Mid-Cap-Ticket und ein süddeutscher strategischer Pflegekonzern aus dem Buy-Side-Mandats-Pool. In einem strukturierten Verkaufsprozess erzeugt diese parallele Käufer-Konstellation 0,5x bis 1,5x Multiple-Premium gegenüber bilateralen Mandaten.
Vorbereitung des Verkaufsprozesses — sechs zentrale Bausteine
Auslastungs-Historie sauber dokumentiert: Monatliche Auslastung pro Standort über 36 Monate, getrennt nach Pflegegrad und Werktag.
Pflegegrad-Mix-Tracking: Mix-Veränderungen über die letzten 24 Monate, mit Erlös-Effekt je Mix-Verschiebung.
EBITDA-Bereinigung: Die fünf Anpassungen (Geschäftsführergehalt, Pacht, Sondereffekte, Run-Rate, Working-Capital) sauber aufgesetzt.
Personal-Decke und PDL-Plan: Vertretungs-Konzept, Recruiting-Pipeline, Fluktuations-Tracking.
Versorgungsverträge: §41 SGB XI dokumentiert, MDK-Befunde sauber abgelegt, Träger-Kommunikations-Historie verfügbar.
Käufer-Long-List: Drei Käufergruppen parallel ansprechen — vermeidet Lock-in. Der Erst-Termin im strukturierten Tagespflege-Verkaufsprozess klärt, welche Käufer wirklich passen.
Wer Tagespflege auf Investorenseite sucht, sollte die Senior-Living-Investmentlogik als breiteren Rahmen verstehen — Tagespflege ist 2026 ein eigenständiger Sub-Sektor mit eigener Käufer-Dynamik, eingebettet in die größere Pflegemarkt-Konsolidierungslogik.
Fazit
Tagespflege ist 2026 ein strukturell wachsender, regional fragmentierter Markt mit klarer Käuferseite und stabilen Bewertungs-Bandbreiten. Verbünde mit vier und mehr Standorten erzielen 1x bis 1,5x Multiple-Premium gegenüber Einzelstandorten. Wer Auslastung, Pflegegrad-Mix und PDL-Struktur sauber dokumentiert und drei Käufergruppen parallel führt, realisiert Multiples im oberen Drittel der 5x- bis 8x-Bandbreite — und in Plattform-Konstellationen darüber.
„Der größte Hebel im Tagespflege-Verkauf ist nicht der Multiple — es ist die Dauer der Käufer-Wettbewerbsphase.“
Häufige Fragen
Wie hoch sind Tagespflege-Multiples 2026?
Tagespflege-Bewertungen liegen 2026 zwischen 5x und 8x EV/EBITDA für Einzelstandorte. Verbünde von vier bis sechs Standorten erreichen 6x bis 7,5x. Plattform-Strukturen mit acht oder mehr Standorten erzielen 7x bis 9x.
Ab wie vielen Standorten lohnt sich ein Tagespflege-Verbund?
Ab vier Standorten in einer Region kippt die Tagespflege wirtschaftlich in eine andere Klasse. Ursache: standortübergreifende PDL-Vertretung, geteilter Fahrdienst, professionelles Recruiting und zentrale Vertragsverwaltung.
Welcher Paragraph regelt die Tagespflege?
§41 SGB XI regelt die teilstationäre Pflege. Seit dem Pflegestärkungsgesetz 2017 wird Tagespflege zusätzlich zu ambulanten Sachleistungen abgerechnet, ohne Gegenrechnung — strukturelle Aufwertung der Erlös-Logik.
Wer kauft 2026 Tagespflege-Verbünde?
Drei Käufergruppen sind 2026 aktiv: Pflegeheim-Betreiber als Versorgungs-Erweiterung, PE-Plattform-Konsolidierer mit Buy-and-Build-Logik und Family Offices mit Cluster-Tagespflege als Pflegeimmobilien-Ergänzung.
Welche Auslastung erwarten Käufer?
Käufer prüfen die monatliche Auslastung pro Standort über 36 Monate. Stabile Auslastung über 85 Prozent hebt den Multiple um +0,5x bis +1,0x. Schwankungen unter 75 Prozent drücken um -0,5x bis -1,5x.
Welche EBITDA-Anpassungen sind im Tagespflege-Verkauf üblich?
Fünf Anpassungen bewegen das transaktionsfähige EBITDA um 15 bis 30 Prozent: Geschäftsführergehalt auf Markt-Niveau, Pacht-Marktcheck, COVID- und Personal-Sondereffekte, Run-Rate-Bridge bei neuen Standorten und Working-Capital-Norm.
Michael Scheidel ist Geschäftsführer und Gesellschafter von MSI Partners. Mit 20 Jahren Erfahrung im deutschen Healthcare-M&A begleitet er Transaktionen im Pflege-Sektor und Healthcare-Investments für Family Offices, Strategen und Private-Equity-Partner.









