Das Share Purchase Agreement, kurz SPA, ist der Kaufvertrag über Geschäftsanteile und damit das zentrale Dokument fast jeder Unternehmens-Transaktion im Pflegesektor. Wer versteht, wie ein SPA aufgebaut ist und an welchen Stellen verhandelt wird, geht deutlich sicherer in die entscheidende Phase des Verkaufs.
Kurzantwort
Das SPA regelt, wer welche Anteile zu welchem Preis erwirbt, unter welchen Bedingungen der Vollzug stattfindet und wofür der Verkäufer nach der Übergabe noch einsteht. Die wirtschaftlich wichtigsten Verhandlungspunkte sind der Kaufpreismechanismus, die Garantien des Verkäufers und die aufschiebenden Bedingungen bis zum Closing.
Die Bausteine eines SPA im Überblick
· **Vertragsparteien und Kaufgegenstand** – Welche Anteile an welcher Gesellschaft übertragen werden.
· **Kaufpreis und Kaufpreismechanismus** – Höhe, Fälligkeit und Anpassungslogik des Kaufpreises.
· **Aufschiebende Bedingungen** – Was zwischen Unterschrift und Vollzug erfüllt sein muss.
· **Garantien und Freistellungen** – Wofür der Verkäufer einsteht und wie Ansprüche begrenzt werden.
· **Wettbewerbsverbot und Übergabe** – Wie lange der Verkäufer nicht konkurrieren darf und wie er den Übergang begleitet.
Signing und Closing sind zwei verschiedene Tage
Mit dem Signing wird der Vertrag unterschrieben, mit dem Closing gehen die Anteile tatsächlich über. Dazwischen liegen die aufschiebenden Bedingungen. Im Pflegesektor gehören dazu regelmäßig kartellrechtliche Freigaben bei größeren Transaktionen und je nach Struktur die Abstimmung mit Kostenträgern. Beim Asset Deal kommt die neue Zulassung hinzu, wie der Beitrag zum Versorgungsvertrag beim Asset Deal zeigt.
Für die Zeit zwischen Signing und Closing legt das SPA Verhaltenspflichten fest. Der Verkäufer führt das Unternehmen im gewohnten Rahmen weiter und trifft keine außergewöhnlichen Entscheidungen ohne Zustimmung des Käufers.
Locked Box oder Closing Accounts
Beim Locked-Box-Mechanismus wird der Kaufpreis auf Basis eines vergangenen Stichtagsabschlusses fest vereinbart. Wertabflüsse an den Verkäufer nach diesem Stichtag sind untersagt. Das Verfahren ist einfach, schnell und im Mittelstand weit verbreitet.
Bei Closing Accounts wird der Kaufpreis nach dem Vollzug anhand eines Stichtagsabschlusses angepasst, meist über Nettofinanzverbindlichkeiten und Working Capital. Das ist präziser, kostet aber Zeit und birgt Streitpotenzial bei der Abschlusserstellung. Welcher Mechanismus passt, hängt von Verhandlungsposition, Datenlage und Zeitplan ab.
Garantien und Freistellungen richtig einordnen
Mit den Garantien sichert der Verkäufer zu, dass wesentliche Aussagen über das Unternehmen zutreffen. Üblich sind Garantien zu Gesellschaftsverhältnissen, Jahresabschlüssen, Steuern, Arbeitsverhältnissen und zur Einhaltung wesentlicher Vorschriften. Im Pflegesektor kommen branchenspezifische Punkte hinzu, etwa zu Versorgungsverträgen, Vergütungsvereinbarungen und Qualitätsprüfungen.
Freistellungen decken bekannte Einzelrisiken ab, die in der Due Diligence sichtbar geworden sind. Haftungsgrenzen, Bagatellschwellen und Verjährungsfristen begrenzen das Risiko des Verkäufers. Eine sorgfältig vorbereitete Due Diligence reduziert den Garantienkatalog, weil der Käufer weniger offene Punkte absichern muss.
Was das SPA für Verkäufer im Pflegesektor bedeutet
Die Verhandlungsmacht beim SPA wird vor dem SPA aufgebaut. Wer mit mehreren Interessenten spricht, sauber aufbereitete Unterlagen vorlegt und die branchenspezifischen Themen früh adressiert, verhandelt Garantien und Kaufpreismechanismus aus einer anderen Position als ein Verkäufer mit nur einem Bieter. Der strukturierte Verkaufsprozess zeigt, wie diese Position entsteht.
Häufige Fragen zum SPA
Braucht ein SPA im Pflegesektor einen Notar?
Wie lange dauert die Verhandlung eines SPA?
Was ist der Unterschied zwischen SPA und APA?
Welche Garantien sind für Pflegeunternehmen besonders wichtig?
Wer erstellt den ersten Vertragsentwurf?
Quellen und Einordnung
Stand 11. Juli 2026. Fachliche Einordnung durch Michael Scheidel, MSI Partners.




