Transaktionsrecht

Earn-out beim Verkauf eines Pflegeunternehmens

Michael Scheidel, Geschäftsführer und Gesellschafter von MSI PartnersMichael ScheidelVeröffentlicht:

Beim Earn-out wird ein Teil des Kaufpreises erst nach dem Verkauf fällig und hängt davon ab, wie sich das Unternehmen entwickelt. Für Verkäufer von Pflegeunternehmen ist das Instrument Chance und Risiko zugleich. Es kann den Gesamtpreis erhöhen und Bewertungslücken schließen, verlagert aber einen Teil des unternehmerischen Risikos in die Zeit nach der Übergabe.

Kurzantwort

Ein Earn-out ist ein variabler Kaufpreisbestandteil, der an vereinbarte Ziele geknüpft wird, meist an Umsatz oder EBITDA über ein bis drei Jahre nach dem Closing. Er wird eingesetzt, wenn Käufer und Verkäufer die Zukunft des Unternehmens unterschiedlich einschätzen und sich beim Festpreis nicht treffen.

Einsatzgebiet

Wann ein Earn-out sinnvoll ist

Vier wiederkehrende Ausgangslagen machen einen Earn-out zum passenden Instrument im Kaufvertrag.

01
Situation

Bewertungslücke

Verkäufer und Käufer liegen beim Preis auseinander, weil sie das künftige Wachstum unterschiedlich bewerten.

02
Situation

Starke Inhaberprägung

Der Erfolg hängt spürbar am bisherigen Inhaber, der Käufer will die Übergangsphase absichern.

03
Situation

Junge Ertragslage

Das aktuelle Ergebnis zeigt die Ertragskraft noch nicht vollständig, etwa nach einer Expansion oder einem neuen Standort.

04
Situation

Finanzierungslücke des Käufers

Der Earn-out streckt einen Teil des Kaufpreises und entlastet die Finanzierung, ähnlich wie ein Verkäuferdarlehen in der Kaufpreisfinanzierung.

Bemessungsgrundlage

Die Bemessungsgrundlage entscheidet

AnsatzEigenschaftAuswirkung
UmsatzbasiertEinfacher zu messenSchwerer zu beeinflussen
Ergebnisbasiert (EBITDA)Bildet den Unternehmenserfolg genauer abAnfällig für Diskussionen über Kostenzuordnungen, Verrechnungen im Konzern und außerordentliche Effekte
Die wichtigste Weiche ist die Kennzahl, an der der Earn-out hängt.
Pflegesektor

Die Besonderheit nach der Übernahme

Im Pflegesektor kommt eine Besonderheit hinzu. Nach der Übernahme entscheidet der Käufer über Lohnniveau, Touren- oder Belegungsplanung und Investitionen, und genau diese Entscheidungen bestimmen das Ergebnis, an dem der Earn-out des Verkäufers hängt. Der Kaufvertrag braucht deshalb klare Regeln, welche Maßnahmen erlaubt sind und wie das Earn-out-Ergebnis berechnet wird.

Vertragsgestaltung

Typische Streitpunkte und wie sie sich vermeiden lassen

Vier Punkte sorgen im Earn-out-Vertrag regelmäßig für Streit. Klare Regelungen dazu gehören von Anfang an in den Kaufvertrag.

01

Unklare Berechnungslogik

Ergebnisdefinition mit Beispielrechnung in den Vertrag
Klarer Umgang mit Einmaleffekten
02

Eingriffe des Käufers

Schutzklauseln für die Fortführung des Geschäftsbetriebs im gewohnten Rahmen
Anpassungsklauseln für wesentliche Änderungen
03

Fehlende Informationsrechte

Zugang des Verkäufers zu den Zahlen, aus denen der Earn-out berechnet wird
04

Zu lange Laufzeit

Je länger der Zeitraum, desto größer der Einfluss von Faktoren außerhalb der Kontrolle des Verkäufers
Üblich sind ein bis drei Jahre
Verhandlung

Earn-out aus Verkäufersicht verhandeln

Drei Grundsätze schützen den Verkäufer, bevor die Details im Vertrag stehen.

Kaufpreis

Erweiterung nach oben

Ein Earn-out sollte den Kaufpreis nach oben erweitern und nicht den Sockel ersetzen.

Sockel

Fester Anteil als Grundlage

Ein belastbarer fester Kaufpreisanteil bleibt die Grundlage, der variable Teil honoriert zusätzliche Entwicklung.

Einfluss

Im Unternehmen bleiben

Verkäufer, die während des Earn-out-Zeitraums im Unternehmen bleiben, behalten Einfluss auf die Zielerreichung und reduzieren ihr Risiko deutlich.

Vorbereitung

Früher im Prozess entscheidet sich ob ein Earn-out nötig wird

Ob ein Earn-out überhaupt nötig wird, entscheidet sich oft früher im Prozess. Wer mit realistischer Bewertung und mehreren Interessenten in die Verhandlung geht, muss Bewertungslücken seltener über variable Komponenten schließen. Den Rahmen dafür beschreibt der strukturierte Verkaufsprozess.

Häufige Fragen zum Earn-out

Wie hoch ist der Earn-out-Anteil am Kaufpreis üblicherweise?

Das ist Verhandlungssache und reicht von einem kleinen Zusatzbaustein bis zu einem spürbaren Anteil. Je größer der variable Anteil, desto wichtiger werden Berechnungsregeln und Schutzklauseln für den Verkäufer.

Was passiert, wenn der Käufer das Unternehmen umbaut?

Ist ein Earn-out steuerlich anders zu behandeln?

Gibt es Alternativen zum Earn-out?

Quellen

  1. Bürgerliches Gesetzbuch

Stand 11. Juli 2026. Fachliche Einordnung durch Michael Scheidel, MSI Partners.

Blick auf Heidelberg mit Alter Brücke und Schloss

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Verkäufer mit Käufern. Gründer mit Investoren. Betreiber mit Kapitalgebern. Michael Scheidel bringt mehr als 20 Jahre Branchenerfahrung in Pflege und Healthcare mit, dazu ein gewachsenes Netzwerk zu Entscheidern im Pflege- und Gesundheitssektor.

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