Die Insolvenzwelle im deutschen Pflegemarkt zwischen 2023 und 2025 hat einen eigenen Transaktions-Markt geschaffen, den Distressed M&A. Wer als strategischer Käufer oder als spezialisierter PE-Fonds in diesem Segment kaufen will, findet 2026 strukturell mehr Targets als je zuvor und zugleich komplexere Hürden aus Versorgungsverträgen, Heimaufsicht und Personal-Risiken.
Distressed M&A im Pflegemarkt ist kein Discount-Markt, sondern ein Spezialisten-Markt mit eigener Käufer-Logik und eigener Vorbereitungs-Tiefe. Die Bewertungs-Diskonts liegen 2026 zwischen 30 und 60 Prozent unter den regulären Markt-Multiples und spiegeln Übertragungs-, Personal- und Compliance-Risiken, nicht den Asset-Wert. Wer hier kaufen will, sollte den Prozess früh strukturieren.
Distressed-Pflege-Käufer kaufen keine Schnäppchen sie kaufen Risiko das sie operativ besser tragen als der Verkäufer
Warum 2023 bis 2025 die Insolvenzen kamen
Die Welle war strukturell, nicht zyklisch. Drei Belastungen trafen kleinere und mittlere Anbieter gleichzeitig.
Tarif-Sprung ohne Refinanzierung
Der Tarif-Sprung über TV-PfS und Tariftreue-Regelungen kam ohne entsprechende Refinanzierung über die Pflegesätze.
Akuter Personalmangel
Fehlendes Personal drückte die Auslastung stationärer Häuser unter die wirtschaftlichen Schwellen.
Energiepreis-Krise 2022 bis 2023
Stark steigende Energiekosten trafen auf einen verzögerten Refinanzierungs-Mechanismus.
Die drei Distressed-M&A-Pfade im Pflegesektor
2026 dominiert in der Praxis der Asset Deal aus eröffneter Insolvenz. Eigenverwaltung und Schutzschirm setzen eine substanzielle Sanierungs-Story und eine sehr frühe Krisen-Erkennung voraus.
Asset Deal aus Insolvenz
Standard 2026
- →Der Insolvenzverwalter verkauft das Vermögen, die Verträge müssen neu verhandelt werden.
- →Sinnvoll bei eindeutiger Insolvenz und klarer Asset-Struktur.
- →Risiken liegen in der Versorgungsvertrags-Übertragung und im §613a-Personal-Übergang.
Eigenverwaltung
Sanierung im Amt
- →Die Geschäftsführung bleibt im Amt, ein Verkauf während der Eigenverwaltung ist möglich.
- →Sinnvoll bei sanierungsfähigem Geschäft und vermeidbarer Insolvenz.
- →Risiken sind das Sanierungsplan-Risiko und ein längerer Prozess.
Schutzschirm-Verfahren
§270b InsO
- →Drei Monate Schutz und Sanierung mit gerichtlicher Begleitung.
- →Sinnvoll bei früher Krise mit Sanierungs-Substanz und Distressed-Due-Diligence-Tiefe.
- →Risiken sind strenge Voraussetzungen und die Steuerung durch das Insolvenzgericht.
Zwei spezialisierte Profile dominieren die Käuferseite
Die größte Hürde bleibt die Übertragbarkeit der Versorgungs- und Heimverträge. Versorgungsverträge nach §132a SGB V ambulant, §72 SGB XI stationär und §132d SGB V SAPV gehen im Asset Deal nicht automatisch über.
Plattform-Konsolidierer mit Distressed-Mandat
Bestehende Pflege-Plattformen nehmen Distressed-Targets als günstige Add-ons auf. Die Plattform liefert Backoffice, Verhandlungs-Erfahrung und Personal-Stabilität, der Standort wird in 12 bis 18 Monaten in den Plattform-Standard überführt.
Spezialisierte Distressed-PE-Fonds
Sektor-spezialisierte Fonds aggregieren ein Carve-Out aus mehreren Insolvenzverfahren zu einer neuen Plattform. Die Halteperiode ist mit drei bis fünf Jahren kürzer und die Exit-Logik klar definiert.
Was vor dem Closing geprüft sein muss
Im Distressed-Mandat ist die Standard-DD-Tiefe zeitlich nicht erreichbar. Diese Punkte gehören trotzdem vor das Closing.
Aufsicht und Qualität
Verträge und Recht
Datenschutz
Zwölf-Standort-Carve-Out aus zwei Insolvenzverfahren
In einem typischen Distressed-Mandats-Profil aus 2024 und 2025 begleiten wir DACH-weit den Erwerb von 12 Pflege-Standorten aus zwei parallel laufenden Insolvenzverfahren. Der Asset Deal lief über den Insolvenzverwalter, die neuen Versorgungsverträge wurden in 14 Wochen verhandelt, die §613a-Information war so strukturiert, dass der Massen-Widerspruch unter 8 Prozent blieb, und die Heimaufsicht-Auflagen gingen vor dem Closing in den Sanierungs-Plan über.
Eine seriöse Distressed-Bewertung bewertet nicht nur das Asset, sondern den Sanierungs-Pfad. Drei Treiber zählen, der erforderliche Capex aus Modernisierung, Brandschutz und IT-Migration, der erwartete Personal-Verlust von 10 bis 25 Prozent in den ersten 18 Monaten und die Belegungs-Wiederaufbau-Kurve von 12 bis 24 Monaten. Wer ohne Plattform-Backoffice kauft, übernimmt das Risiko des Verkäufers. Mehr zum Vorgehen im Carve-out-Verkauf und in der Due Diligence.
In Distressed-Pflege gewinnt nicht der höchste Bieter es gewinnt der Käufer mit dem belastbarsten Sanierungs-Plan und der besten Beziehung zum Kostenträger
Auf bereinigtem Run-Rate-EBITDA, gegenüber 7x bis 9x für vergleichbare Standorte ohne Distressed-Kontext. Der Diskont spiegelt die Sanierungs-Risiken, nicht den Markt-Wert. Mehr zu Distressed M&A.




