Zwei Personen prüfen Unterlagen am Tisch – Symbolbild für die DCF-Bewertung

M&A-Strategien & Transaktionen

DCF-Bewertung im Mittelstand · Pflegeunternehmen

Michael Scheidel, Geschäftsführer und Gesellschafter von MSI Partners

Michael Scheidel

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Die Discounted-Cashflow-Methode leitet den Unternehmenswert aus den künftig erwarteten Zahlungsüberschüssen ab. Für Pflegeunternehmen im Mittelstand ist sie das analytische Gegenstück zu den marktüblichen EBITDA-Multiples. Richtig eingesetzt zeigt sie, ob ein aufgerufener Kaufpreis durch die Planung des Unternehmens tatsächlich gedeckt ist.

Kurzantwort

Bei der DCF-Bewertung werden die geplanten Free Cashflows der kommenden Jahre auf den Bewertungsstichtag abgezinst und um einen Terminal Value für die Zeit danach ergänzt. Der Unternehmenswert hängt damit an drei Stellschrauben. Der Qualität der Planung, dem Diskontierungszins und den Annahmen für den Terminal Value.

So funktioniert die DCF-Methode Schritt für Schritt

· **Planungsrechnung aufstellen** – Umsatz, Personalkosten, Sachkosten, Investitionen und Working Capital für die nächsten drei bis fünf Jahre planen.

· **Free Cashflows ableiten** – Aus der Planung die Zahlungsüberschüsse ermitteln, die nach Investitionen und Steuern tatsächlich zur Verfügung stehen.

· **Diskontierungszins bestimmen** – Den Kapitalkostensatz festlegen, der Zeitwert und Risiko des Geschäfts abbildet.

· **Terminal Value berechnen** – Den Wert der Jahre nach dem Planungszeitraum mit einer nachhaltigen Wachstumsannahme ansetzen.

· **Abzinsen und summieren** – Alle Zahlungsströme auf den Stichtag abzinsen und zum Unternehmenswert zusammenführen.

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel

Ein ambulanter Pflegedienst plant für die kommenden Jahre einen Free Cashflow von 400.000 Euro jährlich. Der Bewerter setzt einen Kapitalkostensatz von 12 Prozent an, für die Zeit nach dem Planungszeitraum ein nachhaltiges Wachstum von 1 Prozent. Der Terminal Value ergibt sich dann aus 400.000 Euro geteilt durch die Differenz aus Kapitalkosten und Wachstum, also rund 3,6 Millionen Euro vor Abzinsung. Zusammen mit den abgezinsten Cashflows der Planjahre entsteht daraus der Unternehmensgesamtwert, von dem noch die Nettoverschuldung abgezogen wird.

Die Zahlen sind bewusst vereinfacht und dienen nur der Illustration der Mechanik. Sie ersetzen keine Bewertung des konkreten Unternehmens. Wie eine marktnahe Einordnung über Vergleichstransaktionen aussieht, zeigt der Beitrag zu EBITDA-Multiples für Pflegedienste.

Worauf es bei der Planungsrechnung ankommt

Umsatzplanung, Personalquote, Sachkosten, Investitionen und Working Capital müssen aus den historischen Zahlen herleitbar sein. Ein Ergebnissprung im ersten Planjahr ohne operative Begründung überzeugt weder Käufer noch deren Banken. Käufer rechnen solche Sprünge in der Due Diligence heraus, und der vermeintlich höhere Wert löst sich auf.

Bei Pflegeunternehmen verdient die Personalplanung besondere Aufmerksamkeit. Vergütungsverhandlungen mit den Kostenträgern, Tarifbindung und der Fachkräftemarkt bestimmen, ob die geplanten Margen erreichbar sind. Eine Planung, die steigende Löhne ohne steigende Vergütungssätze unterstellt, ist an dieser Stelle angreifbar.

Der Diskontierungszins bei Pflegeunternehmen

Der Zinssatz bildet ab, welches Risiko ein Erwerber mit den geplanten Zahlungsströmen eingeht. Inhaberabhängigkeit, Kostenträgerkonzentration, auslaufende Versorgungsverträge und regionale Personalknappheit erhöhen den Risikoaufschlag. Ein professionell aufgestelltes Unternehmen mit zweiter Führungsebene und stabiler Belegschaft wird spürbar niedriger diskontiert als ein inhabergeführter Betrieb, in dem alle Fäden bei einer Person zusammenlaufen.

Damit wird die DCF-Methode zum Werkzeug für die Verkaufsvorbereitung. Wer die Risikotreiber vor dem Prozess reduziert, senkt den Diskontierungszins und hebt den Wert. Der Beitrag zur Bewertung von Pflegeunternehmen zeigt die Hebel im Überblick.

DCF und Multiples gehören zusammen

In der Transaktionspraxis wird kein Pflegeunternehmen allein über eine DCF-Rechnung gekauft. Die Methode liefert die analytische Untergrenze und macht Planungsannahmen diskutierbar. Den Marktpreis setzen Angebot und Nachfrage, sichtbar in EBITDA-Multiples vergleichbarer Transaktionen. Weichen beide Verfahren deutlich voneinander ab, liegt der Fehler fast immer in der Planung oder in einem Multiple, das zur Größe und Qualität des Unternehmens nicht passt.

Häufige Fragen

Häufige Fragen zur DCF-Bewertung

Für welche Pflegeunternehmen eignet sich die DCF-Methode?

Für alle Unternehmen mit belastbarer Planung, vom ambulanten Dienst bis zur stationären Gruppe. Je kleiner das Unternehmen und je stärker die Inhaberabhängigkeit, desto größer wird allerdings der Unsicherheitsbereich der Planung und desto wichtiger die Plausibilisierung über Multiples.

Welcher Diskontierungszins ist üblich?

Was ist der Terminal Value und warum ist er so wichtig?

Reicht eine DCF-Bewertung für die Kaufpreisverhandlung?

Quellen und Einordnung

· Statistisches Bundesamt

· Bundesgesundheitsministerium

Stand 11. Juli 2026. Fachliche Einordnung durch Michael Scheidel, MSI Partners.

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