Pflegedienst-Inhaberin prüft Tourenplan und Lohnabrechnung am Schreibtisch als Symbolbild für pflegefremde Aufgaben und EBITDA-Marge

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Pflegefremde Aufgaben, Werthebel beim Pflegedienst-Verkauf

Michael Scheidel · Gründer und Managing Partner MSI Partners

Michael Scheidel

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Pflegefremde Aufgaben, Werthebel beim Pflegedienst-Verkauf

Viele Inhaber eines ambulanten Pflegedienstes arbeiten Vollzeit, ohne dass eine einzige der bezahlten Stunden auf eine SGB-XI-Leistung gebucht wird. Lohnbuchhaltung, Tourenplanung, Recruiting, IT-Support, Reklamationen mit der Pflegekasse. Diese Aufgaben sind pflegefremd, also nicht abrechenbar, und sie fressen Marge. Im Verkaufsprozess führt das fast immer zu einem niedrigeren Multiple, weil ein Käufer den Inhaber-Aufwand sauber aus dem EBITDA herausrechnet. Kurz erklärt. Pflegefremde Aufgaben binden in einem typischen ambulanten Pflegedienst 80 bis 160 Stunden pro Monat und reduzieren die EBITDA-Marge um 2 bis 5 Prozentpunkte. Wer diese Aufgaben vor dem Verkauf strukturiert auslagert oder dokumentiert, erzielt 0,5x bis 1x höhere Verkaufs-Multiples.

„Ein Käufer kauft den bereinigten Cashflow, nicht den Heldenmut des Inhabers.“

Was sind pflegefremde Aufgaben im ambulanten Pflegedienst Der Begriff ist im SGB XI nicht legaldefiniert, hat sich aber klar etabliert. Pflegefremd ist alles, was nicht unter Paragraph 36 SGB XI (Pflegesachleistungen), Paragraph 37 Absatz 3 SGB XI (Beratungseinsätze) oder Paragraph 39 SGB XI (Verhinderungspflege) abrechenbar ist und auch nicht zur Behandlungspflege nach Paragraph 37 SGB V zählt. In der Praxis sind das fünf Blöcke. Abrechnung und Buchhaltung. Monatliche Leistungsabrechnung über die Datenträgeraustausch-Verordnung nach Paragraph 105 SGB XI, Privatzahler-Rechnungen, Mahnwesen, Lohnbuchhaltung, Steuerberater-Zuarbeit. Tourenplanung und Disposition. Wochenpläne erstellen, Krankheitsausfälle umrouten, Wegezeiten optimieren, Klienten-Wunschzeiten balancieren. Personal-Verwaltung. Verträge, Dienstplanung nach Arbeitszeitgesetz, Urlaubsanträge, Fortbildungs-Nachweise nach Paragraph 71 SGB XI (verantwortliche Pflegefachkraft), Berufsgenossenschafts-Meldungen. IT und Pflege-Software. Wartung der eDokumentation wie MediFox, Vivendi oder Connext, mobile Endgeräte, VPN, Datenschutz nach DSGVO und Pflegegeheimnis. Recruiting und Marketing. Stellenanzeigen, Vorstellungsgespräche, Onboarding, Klienten-Akquise über Hausarzt-Netzwerke und Kliniken. Nicht zu verwechseln mit Hauswirtschaft nach Paragraph 36 Absatz 2 SGB XI, also Einkaufen, Kochen oder Reinigung beim Pflegebedürftigen. Diese Leistungen sind über den Pflegesachleistungsbetrag abrechenbar und damit ein Umsatzträger, kein Kostentreiber. Wie viel Zeit und Geld diese Aufgaben kosten Beispielrechnung für einen ambulanten Pflegedienst mit 1,8 Millionen Euro Jahresumsatz, 28 Pflegekräften (22 Vollzeitäquivalente) und rund 140 Klienten. Diese Größe trifft den Mittelwert nach Pflegestatistik 2023 des Statistischen Bundesamtes.

Pflegefremde Tätigkeit

Stunden/Monat

Voll-Kosten/Std

Kosten/Jahr

Abrechnung Pflegekassen und Privat

32

42 Euro

16.128 Euro

Tourenplanung Disposition

40

55 Euro

26.400 Euro

Lohnbuchhaltung intern

18

42 Euro

9.072 Euro

Personal und Dienstplan

28

55 Euro

18.480 Euro

IT und eDoku-Pflege

12

65 Euro

9.360 Euro

Recruiting und Stellenanzeigen

14

55 Euro

9.240 Euro

Summe

144


88.680 Euro

Bei 1,8 Millionen Euro Umsatz sind das rund 4,9 Prozent vom Umsatz, die nicht beim Klienten ankommen. Kommt der Inhaber selbst zum Einsatz, ist das in der Bilanz oft nicht sauber abgegrenzt, weil das Inhaber-Gehalt unter Marktniveau gebucht ist oder Ausschüttungen statt Gehalt fließen. Genau hier setzt die EBITDA-Bereinigung an.

„Wer 144 Stunden im Monat verwaltet, hat 144 Stunden weniger Zeit für Klienten-Akquise und Personalbindung.“

Outsourcing-Optionen die in der Praxis funktionieren Nicht jede pflegefremde Aufgabe muss ausgelagert werden. Manche sind operativ zu nah am Klienten-Kontakt, andere lassen sich extern sauber abbilden. Lohnbuchhaltung an externe Dienstleister DATEV-zertifizierte Lohnbüros oder Steuerberater übernehmen die Lohnabrechnung für 18 bis 28 Euro pro Mitarbeiter und Monat. Bei 28 Mitarbeitern sind das rund 7.500 bis 9.500 Euro pro Jahr, gegenüber rund 9.000 Euro intern. Die Rechnung trägt sich nicht über Kostensenkung, sondern über zurückgewonnene Zeit der Verwaltungskraft, die dann Abrechnung oder Recruiting bearbeitet. Anbieter wie ETL ADHOGA, Treufa oder DATEV-Steuerberater decken den Bereich ab. Recruiting an Pflege-Agenturen Pflege-Recruiting-Agenturen wie heyJobs, Pflegia oder Stepstone Care übernehmen Stellenanzeigen, Vorauswahl und Erstgespräche. Kosten pro Hire liegen bei 1.800 bis 4.500 Euro für Pflegefachkräfte. Bei 22 Prozent Fluktuation (BARMER Pflegereport 2024) und 28 Mitarbeitern entspricht das rund 6 Neueinstellungen pro Jahr, also 12.000 bis 25.000 Euro extern gegenüber rund 9.200 Euro internem Zeitaufwand. Hier rechnet sich Outsourcing erst, wenn die Bewerber-Qualität spürbar höher ist. Hauswirtschaft als Subkontrakt Für ambulante Pflegedienste, die hauswirtschaftliche Leistungen nach Paragraph 36 SGB XI anbieten, ist ein Sub-Kontrakt mit einem Hauswirtschafts-Dienstleister oft sinnvoll. Anbieter wie Home Instead oder Promedica Plus übernehmen Einkauf, Reinigung und Begleitung gegen einen Stunden-Subkontrakt-Preis von 24 bis 32 Euro. Der Pflegedienst rechnet die Leistung im eigenen Namen mit der Pflegekasse ab und behält 4 bis 9 Euro Marge pro Stunde, ohne eigenes Hauswirtschafts-Personal zu führen. IT und eDoku im Service-Vertrag Hersteller wie MediFox Dan, Vivendi oder Connext bieten Service-Pakete von 180 bis 420 Euro pro Monat für 24/7-Support, Updates und Backup. Eine eigene IT-Kraft ist erst ab rund 60 Mitarbeitern wirtschaftlich. Bei 28 Mitarbeitern spart der Service-Vertrag rund 4.000 bis 5.500 Euro pro Jahr gegenüber interner Lösung. Auswirkung auf die EBITDA-Marge Ambulante Pflegedienste erreichen 2026 typisch eine EBITDA-Marge zwischen 7 und 14 Prozent, wie im MSI-Artikel Pflegedienst-Gewinnmarge und Rentabilität 2026 aufgeschlüsselt. Pflegefremde Aufgaben schlagen mit 2 bis 5 Prozentpunkten zu Buche, je nach Auslagerungsgrad und Inhaber-Aufwand.

Szenario

EBITDA vor Bereinigung

Pflegefremder Anteil

EBITDA bereinigt

Inhaber macht alles selbst

13 Prozent

4,8 Pp

8,2 Prozent

Verwaltungskraft, Inhaber teils

11 Prozent

3,1 Pp

7,9 Prozent

Struktur plus Outsourcing

9 Prozent

1,2 Pp

7,8 Prozent

Die bereinigte Marge ist die Zahl, mit der ein Käufer rechnet. Wer den Inhaber-Aufwand bei der Quality of Earnings nicht sauber abbildet, gibt rund 5 Prozent Multiple-Aufschlag preis. Das Inhaber-Gehalt muss auf Marktniveau bewertet werden, typisch 95.000 bis 130.000 Euro für Pflegedienstleitung plus Geschäftsführung. Auswirkung auf den Verkaufspreis EBITDA-Multiples für ambulante Pflegedienste liegen 2026 zwischen 3,0x und 6,5x, abhängig von Größe, Region und Käufer-Typ. Vergleichswerte für deine Region findest du auf den MSI-Standortseiten Pflegedienst verkaufen Bayern, Pflegedienst verkaufen NRW und Pflegedienst verkaufen Baden-Württemberg. Saubere Strukturen verschieben den Multiple um 0,5x bis 1,0x nach oben. Für den Beispiel-Pflegedienst mit 1,8 Millionen Euro Umsatz heißt das.

Struktur

EBITDA

Multiple

Verkaufspreis

Inhaber macht alles, kein Org-Chart

148.000 Euro

3,2x

474.000 Euro

Verwaltungskraft plus PDL

142.000 Euro

4,1x

582.000 Euro

Outsourcing-Mix, sauberes Org-Chart

140.000 Euro

4,8x

672.000 Euro

Differenz zwischen Variante 1 und 3 sind 198.000 Euro Verkaufspreis bei nahezu identischem EBITDA. Der Grund ist nicht die absolute Zahl, sondern die Übergabe-Fähigkeit. Ein Käufer zahlt einen höheren Multiple, wenn der Betrieb auch ohne Inhaber funktioniert, also Pflegedienstleitung delegiert ist, IT dokumentiert ist und externe Dienstleister mit klaren Verträgen arbeiten.

„Der Multiple-Sprung kommt nicht aus mehr Gewinn, sondern aus weniger Schlüsselpersonen-Risiko.“

Praktische Schritte zur Optimierung vor dem Verkauf Wer 18 bis 24 Monate vor Verkauf beginnt, hebt den Multiple voll. Kürzere Zeiträume bringen Teileffekte. Sechs Schritte haben sich bewährt. Inhaber-Tätigkeiten dokumentieren. Jede Aufgabe, die der Inhaber persönlich macht, in einer Stunden-Liste erfassen. Diese Liste ist die Basis für EBITDA-Bereinigung und Delegations-Roadmap. Pflegedienstleitung formal benennen. Eine fest angestellte PDL nach Paragraph 71 SGB XI mit eigener Weiterbildung und Vertretungsregelung. Käufer prüfen das in der Legal Due Diligence. Lohnbuchhaltung extern verlagern. DATEV-Steuerberater oder Lohnbüro mit Online-Schnittstelle zum Dienstplan. Spart Zeit und liefert sauberere Zahlen für Due Diligence. Tourenplanung digitalisieren. Mit Modulen wie graphmasters NUNAV Care, MediFox Tour oder Vivendi PEP. Reduziert Aufwand und liefert Auslastungs-Reports für den Datenraum. IT-Service-Vertrag abschließen. 24/7-Wartung der eDoku plus DSGVO-Audit, idealerweise ein Jahr vor Verkauf, damit Wartungsverträge im Audit dokumentiert sind. Recruiting-Pipeline extern. Mindestens 12 Monate nachweisliche Hires über externe Quellen. Zeigt dem Käufer, dass Personalgewinnung auch ohne Inhaber-Netzwerk funktioniert. Häufig gestellte Fragen Was zählt steuerlich als pflegefremde Aufgabe? Steuerlich gibt es den Begriff nicht. Betriebswirtschaftlich zählt alles dazu, was nicht auf eine SGB-V- oder SGB-XI-Leistung gebucht werden kann. Verwaltung, IT, Recruiting, Steuerberater-Zuarbeit, Marketing. Für die EBITDA-Bereinigung wird zusätzlich der Inhaber-Aufwand mit einem marktgerechten Gehalt bewertet. Wie viel EBITDA-Marge holt man durch Outsourcing zurück? Typisch 2 bis 5 Prozentpunkte, abhängig vom Ausgangs-Setup. Bei einem Inhaber-geführten Pflegedienst ohne klare Delegation liegen die Rückhol-Potenziale höher als bei einem Betrieb mit fester Pflegedienstleitung. Lohnt sich Outsourcing auch bei kleinen Pflegediensten? Ja, aber nicht jeder Baustein. Lohnbuchhaltung und IT-Service rechnen sich ab dem ersten Mitarbeiter. Recruiting-Agenturen lohnen sich ab rund 15 Mitarbeitern, weil die Fluktuation regelmäßig Bedarf erzeugt. Hauswirtschaft-Subkontrakte lohnen sich ab 60 bis 80 Stunden hauswirtschaftlicher Leistung pro Woche. Wie prüft ein Käufer den Inhaber-Aufwand? Im Rahmen der Quality of Earnings analysiert der Käufer das Gehaltsniveau des Inhabers, vergleicht es mit Marktwerten für Pflegedienstleitung und Geschäftsführung, addiert eine Korrektur und zieht diese vom EBITDA ab. Zusätzlich wird geprüft, ob Schlüsselkontakte zu Hausarzt-Praxen oder Kliniken persönlich an den Inhaber gebunden sind. Wann sollte ich mit der Optimierung beginnen? 18 bis 24 Monate vor dem geplanten Verkauf, damit zwei volle Geschäftsjahre mit der neuen Struktur in der Due Diligence vorliegen. Kürzere Zeiträume bringen Teileffekte, weil Käufer historische Zahlen sehen wollen. Strukturen prüfen bevor du den Verkaufsprozess startest Pflegefremde Aufgaben sind kein Schicksal, sondern ein Werthebel, der sich rechnerisch sauber abbilden lässt. Für einen Pflegedienst mit 1,8 Millionen Euro Umsatz liegt der Hebel zwischen 150.000 und 200.000 Euro Verkaufspreis. Für größere Strukturen mit 4 bis 8 Millionen Euro Umsatz entsprechend mehr. Wenn du wissen willst, welcher Multiple in deinem aktuellen Setup realistisch ist und welche pflegefremden Aufgaben den größten Hebel auf den Verkaufspreis haben, lass den Unternehmenswert deines Pflegedienstes kostenfrei schätzen. Du bekommst einen EBITDA-Bereinigungs-Vorschlag und eine Multiple-Spanne für deine Größenklasse und Region.

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