Luftaufnahme einer Klinik in einer deutschen Stadt

M&A-Strategien & Transaktionen

M&A im Pflegesektor · DACH-Marktüberblick 2026

Michael Scheidel · Gründer und Managing Partner MSI Partners

Michael Scheidel

Luftaufnahme einer Klinik in einer deutschen Stadt

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M&A im Pflegesektor · DACH-Marktüberblick 2026

Michael Scheidel · Gründer und Managing Partner MSI Partners

Michael Scheidel

Der Pflegesektor in DACH, also Deutschland, Österreich und der Schweiz, ist 2026 einer der wenigen Mittelstandsmärkte, in dem M&A-Aktivität trotz höherer Zinsen stabil bleibt. Demografie, Fachkräftemangel und ein zerklüfteter Markt mit über 14.000 ambulanten Pflegediensten und rund 12.000 stationären Einrichtungen sorgen dafür, dass Käufer aktiv bleiben und Verkäufer mit ehrlicher Vorbereitung tragfähige Preise erzielen.

Mergers & Acquisitions meint hier schlicht Unternehmenskäufe und -verkäufe. Dieser Marktüberblick fasst zusammen, wer 2026 kauft, was gezahlt wird, wo die Transaktionsdichte am höchsten ist und welche drei Wege Inhabern offenstehen, die an einen Ausstieg denken.

Wer einen Pflegedienst verkaufen will, gewinnt mit einem realistischen Bild des Marktes Verhandlungsmasse. Genau das ist der Zweck dieser Übersicht. Nichts darin ersetzt die Prüfung des Einzelfalls, aber die Größenordnungen helfen, die eigene Position einzuordnen.

75 Mrd. €
Umsatz des DACH-Pflegemarkts pro Jahr 2026
~90
sichtbare Pflege-Transaktionen 2025 in Deutschland, zwei Drittel ambulant
14.000+
ambulante Pflegedienste in einem stark zerklüfteten Markt
12.000
stationäre Einrichtungen im DACH-Raum
Marktgröße und Trends

Ein 75-Milliarden-Markt im Umbruch

Der gesamte Pflegemarkt in DACH bewegt sich 2026 bei rund 75 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Deutschland macht davon etwa 85 Prozent aus, Österreich rund 9 Prozent, die Schweiz die übrigen 6 Prozent. Wachstumstreiber sind die Alterung der Babyboomer, eine durchschnittliche Versorgungsdauer in der ambulanten Pflege von 4,8 Jahren und steigende Pflegegrade.

Auf der M&A-Seite zählten Beobachter 2025 rund 90 sichtbare Transaktionen im deutschen Pflegesektor, davon zwei Drittel ambulant. Für 2026 zeichnet sich ein ähnliches Volumen ab, mit klarer Verschiebung weg von Megadeals hin zu Mittelstandstransaktionen zwischen 5 und 50 Millionen Euro Unternehmenswert.

Drei Trends prägen den Markt 2026 besonders. Erstens kommen viele Inhaber der Gründergeneration der 1990er Jahre jetzt ins Verkaufsalter, die Nachfolge-Welle hält die nächsten fünf bis sieben Jahre an. Zweitens haben sich Bewertungen nach der Korrektur von 2023 stabilisiert, sind aber selektiver geworden, saubere Zahlen, gute Pflegegrade und stabile Kassenverträge werden klar belohnt.

Drittens nimmt die Bedeutung spezialisierter Versorgungsformen wie SAPV, also Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung, und Intensivpflege überproportional zu. Genau dort liegen 2026 die höchsten Multiples, was den Anreiz für spezialisierte Anbieter erhöht, ihre Strukturen früh übergabefähig zu machen.

Aktive Käufertypen

Wer 2026 in DACH-Pflege investiert

Wer in Pflegeunternehmen investiert, lässt sich grob in drei Gruppen ordnen. Jede hat eine eigene Logik, eigene Geschwindigkeit und eigene Preisbereitschaft.

Private Equity und Buy-and-Build

rund 25 PE-gesteuerte Plattformen aktiv

  • Etwa 18 davon mit Schwerpunkt ambulante Pflege und Intensivpflege
  • Typische Beteiligungen zwischen 8 und 60 Mio. EUR Eigenkapital pro Add-on
  • Straffer Prozess und höhere Preise im oberen Marktsegment
  • Harte Due Diligence und marktübliche Garantien

Family Offices

oft 10 bis 20 Jahre Haltedauer

  • Verzicht auf aggressive Fremdfinanzierung
  • Zahlen tendenziell etwas weniger als der PE-Top-Bieter
  • Attraktiv für Inhaber, denen Kontinuität für Personal und Klienten wichtig ist

Strategen und Pflegeketten

ein bis fünf Standorte pro Transaktion

  • Rund ein Dutzend nationale und regionale ambulante Ketten
  • Rund 20 stationäre Gruppen mit mehr als 10 Häusern
  • Wert auf geografische Passung
  • Häufig die schnellste Abwicklung
Bewertung

EBITDA-Multiples nach Sub-Sektor 2026

Sub-SektorEBITDA-Multiple 2026Typische Deal-Größe
Ambulante Pflege3,0–6,0x0,8–25 Mio. EUR
Stationäre Pflege (Pflegeheim)2,5–5,5x3–80 Mio. EUR
Tagespflege2,0–4,5x0,3–4 Mio. EUR
SAPV / Palliativ ambulant6,0–9,0x2–20 Mio. EUR
Intensivpflege außerklinisch5,5–8,5x3–40 Mio. EUR
Betreutes Wohnen (OpCo, Betreibergesellschaft)4,0–7,0x2–30 Mio. EUR
Das EBITDA-Multiple beschreibt, wie oft das jährliche Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen als Kaufpreis bezahlt wird. 500.000 Euro normalisiertes EBITDA mal Multiple 5 ergeben einen Unternehmenswert von 2,5 Millionen Euro. Ranges aus DACH-Transaktionen 2024 bis 2026, gültig für saubere, übergabefähige Unternehmen. Eine erste Orientierung bietet die Seite Unternehmenswert Pflege.
Werthebel und Wertvernichter

Warum identischer Umsatz doppelt so viel wert sein kann

Zwei Pflegedienste mit identischem Umsatz erzielen 2026 regelmäßig Preise, die sich um den Faktor zwei oder mehr unterscheiden. Der Grund liegt fast nie im Umsatz, sondern in vier Hebeln. Erstens die Personal-Stabilität, also Fluktuation unter 12 Prozent, Leiharbeitsquote unter 15 Prozent und eine handlungsfähige PDL, die Pflegedienstleitung, ohne Inhaber-Abhängigkeit.

Zweitens der Pflegegrad-Mix. Liegt der Anteil Pflegegrad 4 und 5 oberhalb des Bundesdurchschnitts, ist die Vergütung pro Klient deutlich höher. Drittens die Kassenvertragslage, also ein gültiger Versorgungsvertrag nach §132a SGB V, eine saubere MDK- und MD-Historie und keine offenen Vergütungsstreitigkeiten. Viertens die Sauberkeit der Zahlen, separierbare Privatentnahmen, eine plausible BWA und drei Jahre testierte oder zumindest steuerlich abgeschlossene Jahresabschlüsse.

Wer im ambulanten Pflegedienst-Verkauf die obere Hälfte der Range erreichen will, braucht meist eine EBITDA-Marge über 12 Prozent, eine gepflegte MD-Akte, unter 20 Prozent Leiharbeitsquote und eine zweite Führungsebene. Beim Pflegeheim-Verkauf ist zusätzlich die Trennung von OpCo, dem Betrieb, und PropCo, der Immobilie, entscheidend, weil sie die Käuferzielgruppe erweitert. Wie das funktioniert, zeigt die Übersicht zu OpCo und PropCo im Pflegeheim.

Die Wertvernichter sind das Spiegelbild. Inhaber-Konzentration im operativen Tagesgeschäft, hohe Leiharbeit, ungeklärte Nachfolge auf PDL-Ebene und Vermischung privater und betrieblicher Kosten drücken jeden Preis. Wer 18 bis 24 Monate vor dem Verkauf an diesen Stellschrauben arbeitet, hebt das Multiple realistisch um 0,5 bis 1,5 Punkte.

Konsolidierungsregionen

Wo im DACH-Raum 2026 am meisten gehandelt wird

Die M&A-Aktivität verteilt sich nicht gleichmäßig über DACH. Drei Faktoren bestimmen, wo Käufer 2026 besonders aktiv sind, nämlich Bevölkerungsdichte, Verfügbarkeit ausgebildeten Personals und der Refinanzierungs-Markt vor Ort.

Spitzenreiter sind Rhein-Main und Rhein-Neckar mit Frankfurt, Mainz, Heidelberg und Mannheim, getragen von hoher Kaufkraft, vielen Selbstzahlern und einer breiten Verfügbarkeit von Family Offices und PE. Rheinland und Ruhrgebiet mit Köln, Düsseldorf, Essen und Dortmund punkten mit sehr hoher Versorgungsdichte und vielen mittelgroßen Pflegediensten zwischen 50 und 200 Klienten. Im Großraum München und Oberbayern treffen hohe Preise auf eine schwierige Personallage, was bei stabilen Strukturen Premium-Multiples ermöglicht.

Hamburg und Metropolregion zeigen einen überdurchschnittlichen Anteil SAPV und Intensivpflege und damit die oberen Multiple-Ranges. In Berlin und Brandenburg ist das Käuferinteresse seit 2024 stark gewachsen, mit hohem Anteil migrantisch geprägter Pflegedienste. Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg bieten eine solide Wirtschaftsstruktur bei weniger Wettbewerb auf Käuferseite.

In Österreich konzentriert sich der kleine Markt auf Wien und Linz, mit wenigen Plattformen und dadurch guter Verhandlungsposition für Verkäufer. In der Schweiz führen Zürich, Basel und Genf zu Premium-Bewertungen, allerdings bei hohen regulatorischen Eintrittshürden für ausländische Käufer.

Drei Wege und MSI-Sicht

Drei realistische Wege aus dem Unternehmen

Für Inhaber gibt es 2026 grundsätzlich drei realistische Wege. Welcher der richtige ist, hängt vom persönlichen Zeithorizont, der Größe und Sauberkeit der Strukturen sowie vom Wunsch nach Kontinuität ab. Der klassische Weg ist der strukturierte M&A-Prozess mit Berater, sinnvoll ab rund 2 Millionen Euro Umsatz. Ein Berater bereitet die Equity Story auf, spricht 8 bis 25 vorqualifizierte Käufer an und führt einen Wettbewerb. Die Dauer liegt typischerweise bei 6 bis 10 Monaten, die Erlös-Maximierung ist in der Regel die höchste der drei Wege.

Der zweite Weg ist der direkte Verkauf an einen bekannten Strategen. Wer einen konkreten Wunsch-Käufer kennt, etwa eine Kette, die schon vorgefühlt hat, geht den bilateralen Weg. Das ist schneller und mit weniger Prozess-Aufwand verbunden, bringt aber selten den höchsten Preis und eignet sich für kleinere Standorte oder wenn Diskretion absolute Priorität hat. Der dritte Weg ist die familiäre oder interne Nachfolge, etwa ein Management Buy-out an angestellte Führungskräfte. Das bleibt der wertschonendste, finanziell aber der niedrigste Weg, mit sinnvoller Vorlaufzeit von drei bis fünf Jahren, oft per Earn-out oder Verkäuferdarlehen.

MS Investment Partners ist auf M&A im DACH-Pflegesektor mit Schwerpunkt ambulanter Pflegedienst fokussiert. Die Tätigkeit umfasst Buy-Side- und Sell-Side-Mandate, wobei der Großteil auf Verkäuferseite liegt. Michael Scheidel bringt über 20 Jahre Erfahrung aus dem operativen Healthcare- und Pflegesektor mit, aus der Perspektive von Trägern und Betreibern, nicht aus klassischer Investmentbanking-Schule. Dieser operative Hintergrund ist häufig der Grund, warum Inhaber MSI dem klassischen Boutique-Ansatz vorziehen. Wer den passenden Weg ausloten will, klärt das am besten im vertraulichen Erstgespräch.

Pflege-M&A funktioniert nicht über Excel allein. Wer den Versorgungsvertrag, die MD-Logik und die Personalwirklichkeit eines Pflegedienstes nicht versteht, kann auch keinen tragfähigen Preis verhandeln.

Michael Scheidel, MS Investment Partners
Häufige Fragen

Antworten zum Pflege-M&A 2026

Wie lange dauert ein Pflegedienst-Verkauf 2026 typischerweise?

Ein strukturierter M&A-Prozess dauert von Mandatierung bis Closing, also bis zum vollzogenen Eigentumsübergang, meist sechs bis zehn Monate. Bilaterale Verkäufe an einen bekannten Strategen schaffen drei bis fünf Monate, familiäre Nachfolgen erstrecken sich häufig über zwei bis fünf Jahre.

Asset Deal oder Share Deal, was ist im Pflegesektor üblich?

Welches EBITDA-Multiple ist 2026 für einen ambulanten Pflegedienst realistisch?

Was kostet ein professioneller M&A-Berater im Pflegesektor?

Lohnt sich der Verkauf trotz Zinsumfeld 2026?

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Verkäufer mit Käufern. Gründer mit Investoren. Operatoren mit Kapital. 20 Jahre Branchenfokus und 6.000+ Entscheiderkontakte im Pflege- und Gesundheitssektor.

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